Glückskindsblog & die Frage nach dem Glück- Leitgedanken von Myriam Francois-Cerrah

Glückskindsblog und andere Mütterblogs zeigen meist die schönen Seiten des Lebens.
Neben bunten Bildern, hellen Farben und heiteren Texten sind zudem leckere Rezepte, Beauty und Lifestyle Empfehlungen zu finden.

Alles, was zum Konzept des „Glückskindes“ mit der glücklichen Mutter und Familie dazu gehört, gestaltet auch andere Blogs und Internetseiten. Höchstens werden die kleinen Probleme und Herausforderungen des Mutterdaseins angesprochen. Diese erscheinen uns in unserem eigentlich sorglosen Alltag groß. Denn in Anbetracht der globalen Armut und des Leidens sind es meist die sogenannten „Erste Welt Probleme“, die uns beschäftigen.

Doch, dass wir nicht ums Überleben kämpfen müssen; Dass wir die essentiellen Lebensgrundlagen wie Sicherheit, Freiheit, Unterkunft und ein gewisses Wohlhaben besitzen, bedeutet dies, dass wir wirklich glücklich sind?

Auf dem Jubiläums Meeting der Muslimischen Jugend Deutschland, welches letztes Pfingstwochenende in Bad Orb stattfand, hat die Journalistin Myriam Francois-Cerrah den inspirierenden Vortrag „The Road to happiness“ gehalten. Die 31 jährige Sozial- und Politikwissenschaftlerin arbeitet als freiberufliche Journalisten unter anderem für The Independet und BBC Newsnight. Derzeit promoviert sie an der Oxford Universität und lebt in London.
Einige ihrer Gedanken würde ich gerne rezipieren und in diesem Artikel unter dem Gesichtspunkt des Mutterdaseins bzw. Elterndaseins miteinbeziehen.

Ein beeindruckender Gesichtspunkt Francois-Cerrahs besteht in der Erkenntnis das
die moderne Definition von Glück stigmatisiert wird. Im Allgemeinen wird Glück festgemacht an Materien, Aktivitäten oder Personen. Sie wird nahezu gleichgesetzt mit Geld und Spaß.

Jeder kennt zwar den plakativen Spruch „ Geld macht nicht glückliche“ aber… An dieser Stelle kommt ein großes „aber“.
Einen großen Einfluss hat die allgegenwärtige Werbung auf unser Unterbewusstsein. Die weltweiten Megakonzerne sind es, die unser aller Bild vom gutem Leben, Genuss, Schönheit und eben auch Glück prägen.

In diesem Zusammenhang stellt Francois-Cerrah die Frage, ob Glück wirklich darin bestünde bei Starbucks einen Kaffee zu trinken und ein gutes Gewissen dabei zu haben, weil es sich um Fair Trade Kaffee handelt. Wir trinken ein überteuertes Prestigegetränk und denken wir tun dabei den armen Kaffeebauern etwas Gutes, obwohl wir tatsächlich nur ein Großkonzern unterstützen.

Ähnliche Beispiele, wie die obige, kann man beliebig weiterbilden. Es geht darum wie sehr die Medien unsere Definition von Glück beeinflussen
Glück wird dank dem ganzen System, indem wir leben unbewusst mit Produkten, Erlebnissen und Situationen in Assoziation gebracht. Unser Gewissen wird ausgetrickst. Medienkampagnen lassen uns glauben, dass wir mit dem Konsum des Produktes „X“ etwas Gutes tun .Für uns und/oder für Andere. Das ist die These.

Glück= Geld, Materie, Spaß, Aktivitäten?

Übertragt man diesen Gedanken auf das moderne Elternverhalten sehen wir, dass viele von uns tatsächlich (unbewusst) diesem Verhaltensmuster verfallen sind. Auch und vor allem im Umgang mit unseren Kindern. Sie sind das Wertvollste in unserem Leben, wir wollen ihnen etwas bieten. Nicht wahr?
Wir wollen, dass unsere Kinder glücklich sind! Was fällt uns spontan dazu ein? Neben Liebe und Zuneigung kommt als Allererstes: das Kaufen! Den schönsten Teddybären, generell die besten und vielfältigsten Spielzeuge, Möbel, Kleidung und, und, und..
Der Babymarkt boomt!

Neben dem Konsumieren brauchen wir meist die Unternehmung, um uns glücklich zumachen. Auch um unsere Kinder glücklich zu machen. Zum größten Spielplatz, zum aufregendsten Freizeitpark oder zum Zoo. Ganz egal. „Nur“ zu Hause zu bleiben ist zu öde und out. Auch die liebe Dajana, eine Bloggermami, problematisiert auf ihren Blog mitkinderaugen.blogspot.de diesen Trend. Den Trend den Kindern immer früher, immer mehr bieten zu wollen.
Sie erwähnt dies im Zusammenhang mit der Frage „Ob es sich die heutigen Eltern das Leben schwieriger machen?“ Selbst schwieriger machen, indem sie sich selbst und ihrer Familie zu hohe Ziele setzten.

Aber eigentlich beschreibt es das gleiche Phänomen. Dieser Drang nach mehr macht nicht nur unser Leben schwieriger. Ich behaupte, es schadet sogar der Lebenserwartung und Lebenswahrnehmung unserer Kinder.

Die „schönen“ Seiten des Lebens gehören natürlich dazu und wir können dankbar für diese Möglichkeiten sein. Diese Möglichkeiten zu genießen und zu schätzen macht uns sicherlich glücklich. Bleiben wir jedoch „nur“ an ihnen hängen werden wir in die Falle der Oberflächigkeit tappen.

Es lohnt sich infolgedessen zu hinterfragen, ob diese „oberflächlichen“ Denk- und Verhaltensmuster uns wirklich erfüllen. Ob diese Lebensweise des Konsumierens ein gutes Bewusstsein für das zukünftige Leben unserer Kinder bietet?

Alle spirituellen Gedanken unabhängig davon aus welcher Religion sie wachsen haben inne, dass sie die wahre Glückseligkeit abhängig von Zufriedenheit und Erfüllung machen.
Diese hängen wiederum von Bescheidenheit, Reinigung der Seele und Disziplinierung des Egos ab, so Francois Cerrah.
Nach dem Motto je weniger, desto besser statt je mehr desto besser. Eher also abhängig von unserer inneren Einstellung als von äußeren Einflüssen.
Das ist leichter gesagt als getan. Denn, Buddhismus ist mehr als die Yoga-Stunde am Sonntagmorgen, Christentum mehr als Ostern und Islam mehr als das Kopftuch! Lernen auf Verzicht verlangt intensivere Beschäftigung mit Spiritualität und Glauben. Dazu gehört eine Lebensphilosophie, Lebensgestaltung in vollen Zügen.

Glückseligkeit durch Verantwortung

Francois- Cerrah stellt die Frage, ob die historisch herausragenden Persönlichkeiten oder auch die Propheten glücklich waren? Waren sie nach unsere Definition von Glück, welches festgebunden an Äußerlichkeiten ist, glücklich? Oder hatten sie vielmehr ein erfülltes, zufriedenes Leben? Sie gibt das Beispiel von Mahadma Ghandi, Mutter Terasa oder auch von den Propheten in Thora, Bibel und Quran deren „Glück“ darin bestand Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für andere Menschen. Ihre Erfüllung und Zufriedenheit war verknüpft mit einem höheren Sinn in ihrem Leben. Diese bestand vor allem darin anderen Menschen zu helfen und ihrem Schöpfer (oder dem höheren Ziel) zu dienen.

Ein weiteres Argument der Journalistin besteht darin, dass zur Erreichung der Glückseligkeit die Loslösung von Neid und Eifersucht sehr grundlegend ist. Dies gelingt durch die Kontrolle des Egos, durch die Erziehung des Charakters.

Wie kann ein Mensch der nur „ich, ich und nochmal ich“ sagt sowie denkt ertragen, wenn andere Menschen glücklich sind? Wenn andere Menschen etwas erreichen oder besitzen? Und ganz egal, wie viel ein egoistischer Mensch selbst besitzt, wird er immer ein Auge auf „die Anderen“ werfen und sich mit ihnen vergleichen. Doch solch ein Verhalten schadet lediglich dem Neider selbst. Oder was denkt ihr?

Kein Mensch ist perfekt und alle müssen mit dem eigenen Ego kämpfen! Jeder kann seinen Weg finden, um mit seinen Schwächen umzugehen. Vielleicht werden einige auch gar nicht diese Ansichten teilen. Doch mich persönlich haben diese Thesen von der englischen Journalistin zum Nachdenken gebracht. Ich wünsche meiner Tochter nämlich nicht, dass sie ihr Glück von Menschen, Geld oder Ausflügen bzw. Partys abhängig macht.

Wie kann ich also die Balance zwischen Bodenständigkeit und Verwöhnung in meinem Erziehungsstil finden?

Immer mehr beobachte ich außerdem, dass den jetzigen Kindern die Freude und die Begeisterung an jeglichen Sachen fehlt. Sie wirken so „cool“, so dass sie gar Nichts mehr „schockiert“ oder „begeistert“. Sie besitzen und erleben anscheinend so viel, dass sie alles nur noch langweilt.

Natürlich überspitze ich die Situation einen wenig aber sehe ich das richtig?

Ich frage mich: Was kann ich tun, um meinem Kind ein anderes, tiefgründiges Bild vom Glück zu vermitteln, als es das kapitalistische System tut? Ohne dabei die Freuden des Lebens zu ignorieren.

Die erste und sogar einzige Antwort besteht wieder einmal darin – wie in allen Erziehungsfragen- selbst ein gutes Vorbild zu sein. Vorleben zu teilen, zu helfen, sich auch mit weniger zufrieden geben.

Daneben fallen mir Strategien ein, wie:

– als Belohnung oder Geschenk etwas zu verschenken, wie einen
gemeinsamen Spaziergang, statt das neuste Playstationspiel
– mehr Zeit, Liebe, Verständnis und Zuneigung zu geben
– auch mal „Nein“ zu sagen an der Supermarktkasse
– bei älteren Kindern das Gespräch suchen
– die Aufklärung über notbedürftigen Menschen weltweit
– Gemeinsam Geld sammeln für eine Spende, die sich das Kind
selbst aussuchen darf
– Schöne Geschenke an gleichaltrige machen
– Älteren Menschen, vor allem den Großeltern helfen
– Religiöse, menschliche Werte vermitteln

Was denkt Ihr ist noch wichtig? Welche Strategien habt Ihr? Und wie steht Ihr zu diesem Thema? Es würde mich freuen, wenn Ihr eure Meinung unten in die Kommentare schreibt.

Strahlende Kinderaugen wünscht euch Glueckskindsblog!

2 Kommentare zu „Glückskindsblog & die Frage nach dem Glück- Leitgedanken von Myriam Francois-Cerrah

  1. Meine Liebe,

    danke dir für den tollen Beitrag! Es ist wirklich ein sehr inspirierendes Thema…

    Ich bin der Meinung, dass man „Glück“ nicht beschreiben kann. Man muss es einfach fühlen! Seitdem ich Mutter bin, hat dieser Begriff eine komplett andere Bedeutung für mich. Ich kann stolz sagen, dass ich glücklich bin und das habe ich meiner wundervollen Familie zu verdanken.

    Nur wenn wir, die Eltern, glücklich und gelassen sind, sind unsere Kinder es auch!
    Ich glaube fest daran, dass unsere Schätzchen, egal wie alt sie sind, viel Liebe, Zuwendung und Geborgenheit brauchen. Die materiellen Dinge können zwar für kurze Zeit Freude bereiten, aber keine Umarmung ersetzen.

    Da das Glück ein Gefühl ist, müssen wir unseren Kindern mehr Gefühle schenken, damit sie glücklich sein können!

    Ganz liebe Grüße
    Mihaela

    1. Liebe Michaela,

      danke für deine tolle Rückmeldung. Dem kann ich nur zustimmen. Und es ist wirklich so, dass die Familie die größte Quelle für Glück sein kann! Vor allem dort, wo die Familie hoch geschätzt wird.

      Mit deinem letzten Absatz hast du wirklich den wichtigsten Punkt getroffen.

      Viele, liebe Grüsse aus Hamburg!

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