Ramadan und Kind(heit)

Der Fastenmonat Ramadan ist ein heiliger Monat, in dem die Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang kein Essen und Trinken zu sich nehmen. Aber das Fasten, der Verzicht, beschränkt sich nicht nur darauf. Verboten sind zudem Beischlaf, Diskussionen und Streit. Ausnahmen gibt es für Kranke, Reisende und Schwangere.

Für Nicht-Muslime hört sich gerade der Verzicht auf Speisen und Getränke zur Sommerzeit sehr anstrengend an und kann auf Unverständnis stoßen. Trotz der Herausforderung aber – oder teilweise sogar gerade wegen der Herausforderung – freuen sich die gläubigen Muslime auf die Fastenzeit. Der Ramadan ist eine fordernde Zeit, sollte aber keine Überforderung für den Fastenden darstellen, da in diesen Fällen immer eine Erleichterung gegeben ist.

Im Monat Ramadan handelt es sich um eine besondere Zeit, die den Gläubigen die Möglichkeit bietet in sich zu kehren, sich zu erziehen, zu teilen, zu schätzen und zu wachsen. Er ist also keine Qual, sondern eine Charakterschulung für den Muslim.

Aus muslimischer Sicht beinhaltet das Fasten als Tätigkeit und der Fastenmonat Ramadan als Zeitspanne zahlreiche spirituelle, gesundheitliche und erzieherische Weisheiten.

In diesem Beitrag jedoch wird die Fastenzeit aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Wie erleben wohl Kinder, die selbstverständlich vom Fasten befreit sind, den Ramadan? Welchen Einfluss hat es auf das Familienleben und den Alltag?

Dies sind meine Leitfragen, auf die ich natürlich keine absolute, allgemeingültige Antwort finden kann. Da es sich, wie so oft, um sehr subjektive Wahrnehmungen handelt, gibt es hier keine eindeutigen Antworten.

Doch beschäftigt mich diese Frage so sehr, dass ich gerne meine Gedanken dazu teilen möchte, mich der Antwort nähern möchte, um einerseits muslimischen Müttern Gedankenanstöße zu geben und andererseits nicht-muslimischen Müttern auf diese Weise einen kleinen Einblick in eine für sie wahrscheinlich fremde Welt zu bieten.

Angeregt dazu wurde ich selbst aufgrund meiner eigenen Kindheitserinnerungen zum Ramadan. Im Ramadan erinnere ich mich jedes Jahr erneut an meine Kindheit. Es geht um Bilder und Gefühle, die wieder hochkommen.

Der Ramadan erinnert mich an den Dampf der heißen Suppe, an das gemeinsame Familienessen. An die leckeren Datteln. An die abendlichen Moscheebesuche und das gemeinsame Gebet zusammen mit meinen Eltern.

An die Gäste, die zum gemeinsamen Fastenbrechen in unsere Wohnung kamen und an die Gastgeber, die wir besuchten.

An das Klappern des Geschirrs in der Küche zur Zeit der Morgendämmerung während ich im Bett lag. Mit jedem Klappern wuchs der Respekt ihr gegenüber. Gegenüber ihren Einsatz für die Familie.

Ich erinnere mich gerne, an die leckeren Börek mit Zucker und Haselnüsse meiner Mutter und vermisse sie.

Vermissen tue ich auch die Stimme meines Vaters, der zu dieser Zeit besonders viel Quran rezitierte.

Die arabischen Monate richten sich nach dem Mondkalender. Somit beginnt der Ramadan mit der Mondsichtung. Das habe ich schon als Kind irgendwie mitbekommen und beobachtete daher den Mond in diesem Monat besonders oft und lange. Nicht nur um den Mond zu sichten, sondern auch um seinen Verlauf anzusehen.

Da wir im dreizehnten Stockwerk eines Hochhauses wohnten, fühlte ich mich dem Mond nahe. Zudem barg es einen kleinen Zauber in sich, dass mein Name auf arabisch Sichelmond heißt.

Ich habe also ausschließlich nur schöne Erinnerungen an den Ramadan in meiner Kindheit. Mag sein, dass diese schönen Zeiten während der Fastenmonate meine heutige Religiosität geprägt haben. Mag sein, dass ich so fasziniert und berührt war, dass ich mich später deswegen für das Kopftuch entschieden habe und heute noch gerne faste. Denn für mich hatte das Fasten nie etwas mit Pflicht, Zwang oder Bürde zu tun. Ich habe den Verzicht meiner Eltern beim Fasten als Kind nie als Leid aufgefasst. Es war etwas, was zum Leben dazu gehörte, etwas mit Liebe und Familie. Es wurde einfach authentisch von meinen Eltern vorgelebt und hatte nichts Aufgesetztes.

Als Mutter einer zweijährigen Tochter möchte ich einerseits, dass ihr Alltag durch unser Fasten nicht durcheinander kommt, andererseits aber wäre es mein Wunsch, dass auch sie diese Zeit als etwas Besonderes erlebt.

Nun sind die Sommerzeiten so, dass sie die zeitliche Gestaltung vom Ramadan einschränken. Das gemeinsame Fastenbrechen mit anderen Familien und der Moscheebesuch in der Nacht sind für mich mit einem Kleinkind schwer zu realisieren.

Außerdem kommt noch hinzu, dass meiner Tochter sehr jung ist und nicht alles realisiert. Trotz dessen bin ich zurzeit nicht so strikt mit ihren Schlafenszeiten, das heißt, sie darf ab und zu mit uns mit Essen und „Iftar“ machen. Ein Moscheebesuch wird machbar sein und es werden wahrscheinlich auch wenige Gäste eingeladen. Mal sehen, was der Monat noch bringt.

Beobachte ich ältere Kinder in meiner Umgebung, so sehe ich in ihnen den Drang auch fasten zu wollen. Es kostet den Eltern in solchen Fällen viel Überzeugungskraft dies nicht zu tun. Anscheinend wollen sie dazu gehören und mit den Großen teil am Fastenmonat haben.

Und nicht zu vergessen: Am Ende des Fastenmonates gibt es das Zuckerfest (arabisch: Eid, türkisch: Bayram). Es gibt jede Menge Geschenke, Taschengeld und Süßes.

Und darauf freut sich garantiert jedes Kind!

Ramadan aus Kinderaugen. Vielleicht könnt ihr in die Kommentare schreiben wie ihr den Ramadan als Kind erlebt habt?!

Aus der Perspektive einer Mutter betrachtet: Ohne Kind war ich, wie in anderen Sachen auch, ungebundener in der Alltagsgestaltung. Das heißt, bevor ich Mutter wurde konnte ich im Ramadan Ruhe- und Gebetszeiten sowie zahlreiche Verabredungen zum Fastenbrechen einplanen. Heute geht das nicht so einfach.

Dazu kommt, dass Kinder Situationen schaffen, die einen auf die Geduldsprobe stellen. Und dies empfinde ich im Ramadan als eine besondere Herausforderung, aber auch als Chance, auch durch diese Charakterschulung zu gehen.

Einige Links und Buchempfehlungen zum Thema:

> Das ZDF hat den Ramadan auf seiner Logo -eite kindgerecht und einfach erklärt:

http://www.tivi.de/fernsehen/logo/artikel/05080/index.html

> 9 Ramadan Tipps für Nicht- Muslime

> Ein schönes Buch, welches den Ramadan thematisiert:

    „Leyla und Linda feiern Ramadan“

> Ein weiteres schönes Buch ist das Ramadan Wimmelbuch.

    Ramadan Wimmelbuch

>  Tipps, wie man seinen Ramadan besser gestalten kann.

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