Studieren mit Kind – Erfahrungen und Aspekte

Ihr habt es sicherlich schon einmal gehört – je höher der Bildungsstand der Frau desto niedriger die Geburtenrate. Diese Aussage ist durch verschiedene wissenschaftliche Ergebnisse belegt worden. Jenseits von Zahlen und Daten spürt man im „real life“ die Diskrepanz zwischen Kinderwunsch und Karriereplanung. Gerade Akademikerinnen fragen sich, ob sie überhaupt Kinder wollen oder wann am besten der Kinderwunsch zu realisieren ist. Vor dem Berufseinstieg? Meist sprechen das junge Alter und die finanzielle Situation dagegen. Im Berufsleben? Da stellt sich die Frage nach dem Berufseinstieg. Bereits nach einem Jahr wieder in den Beruf? Oder doch drei Jahre mit dem Kind die freie Zeit genießen? Eine Alternative ist es, während des Studiums schwanger zu werden und den Kinderwunsch zu erfüllen. Dieser Wunsch mag für einige angesichts der strammen Bachelor- und Masterstudiengänge verrückt klingen. So sind sie aber nun mal die Frauen, die sich trauen – verrücktJ. Verrückt nach Babys. So simpel ist es natürlich nicht. Nur verrückt nach Babys zu sein sollte kein Grund für ein Kind darstellen. Es haben viele verschiedene Faktoren einen Einfluss auf diese Entscheidung. Ganz egal aus welchen Gründen auch immer – für alle Frauen, die sich während des Studiums für ein Kind entscheiden oder vor dieser Entscheidung stehen, möchte ich mit diesem Beitrag meine Erfahrungen in diesem Bereich teilen.

Zeitpunkt/ Semester

Es besteht ein großer Unterschied zwischen einer Schwangerschaft am Anfang des Studiums und zwischen einer, die Richtung Ende des Studiums eintritt. Als meine Tochter auf der Welt war, war ich bereits „scheinfrei“ und musste „nur“ noch meine Masterarbeit schreiben. Während der Schwangerschaft habe ich ein sehr intensives Semester inklusive Praktikum absolviert und auch die gesamte Vorarbeit für die Masterarbeit geleistet, d.h. das Thema erarbeitet und die notwendigen Recherchen durchgeführt. Die Zeit der Schwangerschaft war also alles andere als entspannt. Sechs Wochen vor und sechs Monate nach der Geburt hatte ich frei. Das Semester endete passend zum Beginn des Mutterschutzes und ein Semester habe ich Pause gemacht. Diese Zeit war aus meinen Augen sehr notwendig und wertvoll. Vor allem die sechs Monate nach der Geburt.

Betreuung

Nach sechs Monaten habe ich mich dazu entschieden, die Betreuung des Babys auf dem Campus wahrzunehmen. Um einen Platz musste ich mich schon während der Schwangerschaft kümmern. Es ist von großer Bedeutung sich frühzeitig mit dem Thema Kinderbetreuung zu beschäftigen. In der Kita in der Nähe des Wohnortes oder der Universität? Vielleicht gibt es euch eine Betreuung für Studentinnen, die zur Universität gehört?! Ich hatte die Möglichkeit meine Tochter von dem Verein „Uni Eltern Studieren mit Kind“ betreuen zu lassen. Dieser Verein ist eine studentische Selbsthilfeinitiative Ich war wirklich sehr, sehr zufrieden. Für die Eingewöhnung wurde genug Zeit eingeräumt. Es waren immer genug Betreuerinnen anwesend. Die Bertreuungszeiten waren flexible und konnten relativ frei eingeplant werden. Der größte Vorteil war jedoch, dass ich jederzeit zum Stillen zu meiner Tochter konnte. Meine Mitstudentinnen, alle aus dem pädagogischen Bereich, haben sich sehr viel Mühe gegeben. Auch wenn es mir sehr schwer fiel, meine Tochter „wegzugeben“- was von den Betreuerinnen gespürt wurde –, wurde dies nur zu einem kleinen Problem. Im Großen und Ganzen war ich jedoch sehr dankbar für die Betreuungsumstände.   Familie Eine weitere Möglichkeit wäre auch gewesen, einem Familienmitglied die Betreuung zu übergeben. Dies wäre aber nur dann in Frage gekommen, wenn der Tagesablauf nach meinem Kind hätte gerichtet werden können. Da dies nicht möglich war, habe ich mich dagegen entschieden. Der wichtigste Grund für meine Entscheidung war aber, dass ich meine Tochter weiterhin stillen wollte. Die Familie spielt nicht nur als eine eventuelle Betreuungsmöglichkeit eine wichtige Rolle. Sie kann auch der Motivation dienen und eine Unterstützung und Hilfe in jeglichen Bereichen sein.

Partner

Ein weiterer Faktor ist der Partner. Ein unterstützender Partner kann die intensive Phase sehr erleichtern – das Gegenteil würde alles erschweren. Mein Ehemann war –Gott sei dank- von der Aufgabenteilung zu Hause bis hin zum Chauffieren und durch besondere Unterstützung an Prüfungstagen an meiner Seite.

Finanzielle Situation

Die Betreuung, die Babyausstattung, ein eventueller Umzug und viele andere Kosten kommen mit einem Kind auf die Eltern zu. Daher sollte man sich am besten über alle finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten seitens des Staates oder aber auch der sozialen Vereine informieren. Papierkram und Organisatorisches frühzeitig zu klären kann von großem Vorteil sein.

Der Wille

Abgesehen von allen anderen Punkten ist vielleicht der wichtigste Punkt der Wille sein Studium abzuschließen, um die hormonelle und körperliche Umstellung, den Leistungs- und Zeitdruck während des Studiums, eventuelle gesundheitliche Komplikationen, Probleme in der Partnerschaft, familiären Stress usw. bewältigen zu können.

Fazit

Ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung. Ein wenig kann man sogar stolz darauf  sein. Stolz auf das Durchhaltevermögen, auf die kleine Familie, die man geschaffen hat und auf sein Erfolg“trotz Kind“?!  Ich würde niemals sagen, dass ich trotz meiner Tochter erfolgreich war.  Eher aber, dank meiner Tochter! Ich war disziplinierter, zielstrebiger und organisierter.  Vor allem habe ich alle vorgeplant, durchdacht und durchgezogen. Ich danke den lieben Gott dafür und ermutige hier jeden mit Kinderwunsch (unter Berücksichtigung der obigen Punkte) sich zu treuen. Zudem denke ich, dass ich im Berufsleben die Flexibilität, die ich als Studentin genossen habe, nicht wiederfinden werde.

Epersönlich

4 Kommentare zu „Studieren mit Kind – Erfahrungen und Aspekte

  1. Hallo!
    Wirklich ein interessanter Beitrag mit vielen wichtigen Aspekten, wie ich finde. Ich bin selbst dabei mein Studium mit Kind abzuschließen und kann gerade beim Punkt „Partner“ unterstreichen, wie wichtig bzw. hilfreich es ist, einen Partner unterstützend an seiner Seite zu haben.

    Liebe Grüße,
    Lisa

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