Kind und der Umgang mit Verlust und Trauer

Früher oder später trifft es jeden. Der Verlust eines geliebten Menschen. Manchmal ist das Schicksal behutsam mit einem und man erfährt den Tod einer geliebten Person erst im Erwachsenenalter.

Oft aber wird man schon im Kindesalter mit dem Tod eines Familienangehörigen konfrontiert. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um die Großeltern. Nicht nur für Kinder ist diese Situation eine Herausforderung, sondern auch für die Eltern. Die Eltern müssen nicht nur mit der eigenen Trauer umgehen, vielmehr müssen sie sich zudem noch Gedanken darüber machen, wie sie den Tod ihren Kindern erklären.

Wie also reagieren, wenn ein Familienmitglied die Familie verlässt

Genau wie Krankheit und Leid ist auch der Tod ein fester Bestandteil des Lebens. Auch wenn wir dies oft vergessen und verdrängen.

Für einen gläubigen Menschen ist der Tod kein ewiger Abschied, was eine beruhigende Tatsache ist und ein sehr großes Trostpflaster. Obwohl jeder über Wissen über den Tod verfügt und obwohl Alter und Krankheiten meistens das Naherücken des Todes erahnen lassen, fühlt es sich wie ein Schlag ins Gesicht an, wenn die traurige Nachricht in Wirklichkeit eintritt.

So war es auch bei uns, als die Oma vor ein paar Monaten verstarb. Obwohl die Oma länger krank war, war es ein unerwarteter Schock, da es sich um einen plötzlichen Tod handelte.

Es war mir klar, dass meine dreijährige Tochter den Tod ihrer Großmutter nicht gänzlich begreifen wird. Wie denn auch, wenn es mir doch auch selbst schwer fiel die Situation zu realisieren.

Klar war mir, dass ich in diesem Zusammenhang nicht lügen oder „schmuggeln“ möchte. Und so handelte unsere gesamte Familie. Kinder nehmen mehr wahr als Erwachsene sich vorstellen können, da bringt es nichts den Tod „schön“ zu reden oder zu „umschreiben. Ein offener Umgang ist deswegen wichtig.

Mir persönlich war es wichtig meine Trauer vor meinem Kind nicht zu verstecken, aber sie in Maßen zu halten, meine Trauer zwar bekanntzugeben, ohne jedoch zu resignieren oder mein Kind zu vernachlässigen.

Nach näherer Recherche wusste ich, dass es zum Glück richtig war, wie ich reagiert hatte. In der Literatur heißt es, dass Trauer und Tod zum Leben gehören und dass Kinder dies wissen müssen und durchaus verkraften können. Dennoch sollte man auf einige Aspekte Rücksicht nehmen und natürlich das Alter sowie die Persönlichkeit des Kindes mit berücksichtigen.

Die Religiosität spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle, da sie einerseits den Eltern selbst hilft das Ereignis zu akzeptieren und andererseits erleichtert sie es ihnen den Kindern zu erklären, was der Tod ist. Dass er eigentlich etwas Schönes ist, nämlich eine Befreiung, Erlösung und eine Heimkehr.

Kindergartenalter

Kindergartenkinder werden aufgrund ihres Entwicklungsstandes den Tod und seine Endgültigkeit nicht vollständig begreifen können. Falsche Hoffnungen zu machen durch Aussagen wie „Oma kommt zurück“, Umschreibungen wie „Oma schläft gerade“ oder beschönigende Beschreibungen wie „Gute Menschen gehen schnell in den Himmel“ sollten vermieden werden! Die Kinder verstehen den Vergleich nicht. Sie könnten Angst vor dem Einschlafen entwickeln oder Verlustängste bekommen.

Weitere detaillierte Aspekte zu dieser Altersklasse findet ihr hier in einem Artikel vom Babycenter.

Schulkinder und Jugendliche

Schulkinder begreifen den Tod reeller. In diesem Alter kann man die Kinder besser in die eigene Trauer einbinden durch Gespräche, indem man sie ins Krankenhaus und zur Beerdigung mitnimmt. Man kann sie einen Abschiedsbrief schreiben lassen oder ihn zusammen mit ihnen schreiben. Bei Schulkindern lohnt es sich die Lehrer, Freunde und Bekannte zu informieren, damit diese Verständnis und eventuell ein offenes Ohr für das trauernde Kind haben.

Kinder sind nun mal Kinder

Wir haben eine Großfamilie mit vielen Kindern verschiedener Altersklassen. So konnte ich beobachten, wie unterschiedlich die Kinder trauern, aber dennoch weisen sie ähnliche Züge auf.

Zunächst sah ich, dass die älteren, dass heißt die Schulkinder, sehr traurig waren und dies durch lautes Weinen zeigten. Jugendliche äußerten ihre Gefühle gemäßigter, während die Kleinkinder erstaunt versuchten aus den trauernden Gesichtern abzulesen was passiert ist.

Ganz egal, wie unterschiedlich sie reagierten, hatten sie eines Gemeinsam: Sie ließen sich schnell ablenken. Vor Minuten noch geweint, konnte ich aus dem Fenster beobachten, wie ausgefallen sie auf dem Spielplatz spielten, sich unterhielten und lachten. Erstaunt über dieses Talent der Kinder, war ich erleichtert und habe es den Kindern und Jugendlichen nicht übel genommen, da ich weiß, dass sie ein lange Zeit brauchen, um Geschehnisse, vor allem solch gravierende, zu verarbeiten. Zudem half es zu sehen, dass man sich so auf die eigene Trauer konzentrieren konnte.

Mögliche Reaktionen & Nachspiel

Trotz der kindlichen und jugendlichen Ablenkbarkeit ist es möglich unmittelbar nach dem Tod eines Familienangehörigen auffälliges Verhalten des Kindes zu beobachten. Bei uns waren es beispielweise das Bettnässeln, mehr Genörgel und Geweine. Zudem können Anhänglichkeit und andere Verhaltensauffälligkeiten auftreten.

Je älter das Kind ist, umso eher kann es zu Wutausbrüchen sowie Protestverhalten neigen. Je nach Temperament des Kindes könnte jedoch auch ein gegenteiliges Verhalten, nämlich ein völliger Rückzug des Kindes, der Fall sein.

Dies kann man ruhig gelassen hinnehmen und Geduld ausüben und erst einmal Zeit verstreichen lassen. Dies ist die Art wie das Kind die Trauer um sich herum und in sich verarbeitet.

Spätestens wenn der Alltag halbwegs wieder eingetreten ist und alte Rituale wieder eingeführt werden, wird das Verhalten des Kindes sich wieder regulieren. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte man sich überlegen professionelle Hilfe heranzuziehen.

Tod aus religiöser Sicht

Der Tod ist die größte Lehre, so heißt es in Überlieferungen. Eine Lehre, die uns sagt, wie vergänglich das diesseitige Leben ist und wie relativ, wie vergänglich eigentlich unsere weltlichen Wünsche, Sorgen, Freude und Schmerz sind.

Wenn wir dieses Leben nur als Zwischenstopp, Durchgang, als etwas Vergängliches begreifen, werden wir wissen, dass der Tod eigentlich nur eine Heimkehr ist zu unserem Ursprung. Ich behaupte, nur wenige erreichen diese Erkenntnisstufe wirklich. Und auch wenn, so ist die Trennung dennoch schmerzhaft, gerade dann, wenn die verstorbene Person eine wichtige Rolle im Leben/Alltag gespielt hat.

Man fragt sich öfter: „Wer wird als nächstes von uns gehen? Bin ich auf den Tod vorbereitet?“

Solche Fragen und Hinterfragungen sind aus religiöser Sicht erwünscht, und zwar täglich. Vielleicht mag dies bei einigen auf Unverständnis stoßen. Warum so negativ sein, könnte man sich fragen, Gerade in unserem Zeitalter, wo sich das Leben doch meist eher um Genuss, Konsum und Spaß drehen soll, werden solche Fragen verdrängt und es fällt den meisten schwer sich damit auseinanderzusetzen.

Aber diese Fragen können uns helfen, das Wesentliche im Leben nicht aus den Augen zu verlieren und sich nicht in Oberflächlichkeiten zu verlieren. Die Erinnerung an den für uns bitter erscheinenden Tod kann uns helfen, die Menschen sowie alles andere um uns herum wertzuschätzen, unsere Taten, unser Verhalten, unsere Zeit sinnvoller zu gestalten, ohne gleich das Leben in Trübsal verbringen zu müssen.

Wie wünschen allen Menschen, dass sie dies schaffen.

Und wenn ein Kind ganz aus dem Nichts heraus, während es mit seiner Mutter an einem ganz normalen Morgen am Esstisch sitzt und seine Lieblingskellogs isst, sagt: „Oma ist gestorben, Mama. Sie ist bei Allah, aber sie kommt insh’allah (hoffentlich/so Gott will) zurück“ und die Mutter daraufhin schlucken muss und antwortet: „Nein, Oma, sie kommt nicht mehr zurück“ und auf den staunenden und erwartungsvollen Blick des Kindes dann hinzufügt: „Wir gehen irgendwann zu ihr“; dann, dann stellt diese Konversation und die Aussage der Mutter nicht nur das Kind vor die traurige Tatsache, sondern auch die Mutter, die dadurch wieder an den Tod des geliebten Menschen erinnert wird.

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