Leiden Erstgeborene unter Geschwisterkindern? -Zwischen Ballett und dem aufgeräumten Kinderzimmer

Ist es so, dass wir Erwachsenen  von den älteren Kindern mehr erwarten, als von den Jüngeren? Mehr Selbstständigkeit, mehr Verständnis, mehr Hilfe. Ist es wirklich so, dass Kinder leiden, wenn sie Gewischter bekommen und somit größeren Herausforderungen ausgesetzt sind?

Der Alltag von Babys und Kleinkindern ist ohne hin gefüllt von Anforderungen. Zum Einen wachsen sie sehr schnell und entdecken die Welt für sich. Zum Anderen starten sie zwecks Frühförderung die ersten Babykurse. Sei es Englisch, Ballett, Turnen oder Schwimmen. Die Krippe, die Ganztagsschule. Immer früher zwängen wir erwachsen die Kinder in gefüllte, strukturierte Tagesabläufe.

Es bestehen wirklich viele Möglichkeiten und Angebote. Gleichzeitig kann diese Förderung jedoch Zeit- und Leistungsdruck bedeuten.Ich befürworte Frühförderung, aber denke gleichzeitig, dass man immer im Auge behalten sollte, dass man die kleinen, süßen Minimenschen, namens Kinder, nicht überbelasten sollte. Der Spaßfaktor sollte immer höher sein als der„Pflichtfaktor“. Spaßfaktor im Unterricht, bedeutet meines Erachtens, dass er Schülerbezogen und interaktiv gestaltet ist. Sensibilisieren, sensibel sein, lautet das Motto also für Eltern und Lehrer.

„Anne, du liebst meinen Bruder mehr.“

Sensibilisiert für diverse Themen bin ich als Mutter, mal mehr, mal weniger. Je nach den alltäglichen Herausforderungen, halt. Vor allem bin ich es aber, wenn meine Tochter unglaublich schlaue Sprüche von sich gibt und mich zum Nachdenken bringt.

Meine vier Jährige Tochter hat mich vor kurzem, nämlich, darauf aufmerksam gemacht, wie sehr ich ihren Bruder liebe. Sie offenbarte mir, dass sie wisse, dass ich ihn mehr liebe als sie. In diesem Augenblick als sie den Satz so kindlich süß, aber gleichzeitig selbstischer aussprach, schmunzelte ich. Gleichzeitig fiel mir aber ein Stein in den Magen. Ich fühlte mich erwischt. Obwohl ich natürlich beide meiner Kinder unterschiedslos liebe, stellte ich  mir die Frage, ob meine Liebe und meine Aufmerksamkeit gegenüber meinen Kindern egoistisch/ungerecht sei?

Ich küsse und knuddele meinen einjährigen Sohn sehr oft.  Er ist in meinen Augen so süß, dass sich dies ganz spontan tue. Von meiner vierjährigen Tochter, die ihre babyhaften Züge verloren hat, dafür aber immer selbständiger, lernfreudiger und verantwortungsbewusster wird, erwarte ich immer mehr. Ich erwarte, dass meine Tochter „altersgerechte“ Aufgaben zu Hause übernimmt. So kommt es eher zu Diskussionen oder Belehrungen als zu Kuschel-Einheiten. Zeit nehmen wir uns auch fürs Lesen, Basteln und Backen.  Dennoch, reicht es ihr anscheinend nicht. Sie möchte wie ein Baby geknuddelt werden. Beziehungsweise braucht sie eine „sichtbare“, „tastbare“ Liebe. Und das ist auch ihr Recht!

Kinder, Geschwister ringen um die Liebe der Eltern 

Nach dem ich mich ein wenig mit dem Thema Geschwisterrivalität beschäftigt habe, habe ich gelesen, dass Kinder ein leben Lang um die Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern ringen. Dieses Ringen um die Liebe der Eltern und eine vermeintliche Benachteiligung eines Kindes, kann die Selbstwahrnehmung des Kindes ein Leben lang prägen.

Wie müsste ich mich also als Mutter gegenüber meinen zwei Kindern verhalten?Pädagogen plädieren dafür, dass wir unser Kinder nichtgleich behandeln sollen. Denn gleich behandeln bedeutet nicht immer gerecht behandeln. Tatsächlich kann ich  ein jüngeres Kind nicht genau so behandeln, wie ein Älteres. Ein wichtigen Einfluss hat, abgesehen vom Alter, zudem die  Persönlichkeit des Kindes. Je nach Charakter des Kindes ändern sich idealerweise die  Erwartungen und die Reaktionen der Eltern an das Kind.

Uuiij, Uuiij, uiij..liebe Muttis so ist das! Hab ihr ein Lieblingskind?

Tatsächlich käme es, laut Literatur, nicht selten vor, dass Eltern Lieblingskinder hätten. Einige Studien besagen, dass Eltern jene Kinder bevorzugen, die ihnen (charakterlich wie äußerlich) am ähnlichsten sind. Meist solle das Lieblingskind das Erste Kind oder das Nesthäkchen sein.

Schaffe ich es als Mutter, ohne „egoistische Beweggründe“, also unabhängig von meinen Erwartungen und meinen Vorlieben, herzlich meinen beiden Kindern gegenüber zu treten? Und kein Lieblingskind sondern Lieblingskinder zu haben? Ich versuche es, zu mindestens, und ich bin dank meines kleinen Morgensterns dafür sensibilisiert meine Liebe, wenn auch nicht gleich, aber immerhin ausgewogen meine Kinder in Beweis zu stellen.

Zwischen dem Ballettunterricht und dem aufräumen des Kinderzimmers nehme ich mir die Zeit meine Tochter zu kitzeln, zu knuddeln  und sie in den Arm zu nehmen.Denn, eigentlich weiß ich, in einer gesunden Eltern- Kind Bindung wird ein Kind, egal wie alt, die Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern brauchen. Jedes Kind nicht im gleichen Maße und nicht auf die gleiche Art.  Die mütterliche bzw. väterliche Kunst besteht dadrin Fühler auszubilden , die genau wissen, wann und auf welche Art und Weise ein Kind Aufmerksamkeit und Liebe braucht.

Viel Spaß beim Erproben, Lieben und Knuddeln eurer Kinder.

Euer Glückskind.

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